05 Apr 2019–25 Apr 2019

Hanne Lippard

Goethe in the Skyways

Goethe in the Skyways is a year-long-program of artistic actions, interventions, and manifestations in public, semi-public, and private space in the frame of the Goethe Pop Up Minneapolis that occupies a space in the city’s futuristic skyway system from October 2018 through September 2019.

Sandra Teitge, director of the Goethe Pop Up Minneapolis, invites artists to develop and present works specifically conceived for the Goethe in the Skyways space that challenge and question, (inter-)rupt and disturb the site and context-specific conditions of the skyway system, the city of Minneapolis, and the state of Minnesota, always in relation to national and international issues and debates.

  • Dies alles ist die Passage in unsern Augen. Und nichts von dem allen ist die früher gewesen. Solange in ihr die Gas- ja die Öllampen gebrannt haben, waren sie Feenpaläste. Aber wenn wir auf dem Höhepunkt ihres Zaubers sie denken wollen, so stellen wir die Passage des Panoramas uns 1870 vor, als sie: auf der einen Seite hing das Gaslicht, auf der anderen flackerten noch die Öllampen. Der Niedergang beginnt mit der elektrischen Beleuchtung. Aber ein Niedergang war es im Grunde nicht, sondern genau genommen ein Umschlag. Wie Meuterer nach tagelanger Verschwörung einen befestigten Platz sich zu eigen machen, so riss mit einem Handstreich die Ware die Herrschaft über die Passagen an sich. Nun erst kam die Epoche der Firmen und Ziffern. Der innere Glanz der Passagen erlosch mit dem Aufflammen der elektrischen Lichter und verzog sich in ihre Namen. Aber nun wurde ihr Name wie ein Filter, der nur das innerste, die bittere Essenz des Gewesnen hindurchließ. Diese wunderbare Kraft, die Gegenwart als innerste Essenz des Gewesnen zu destillieren, gibt ja für wahre Reisende dem Namen seine aufregende geheimnisvolle Macht.

    Walter Benjamin, Gesammelte Schriften, Band V.2, Das Passagen-Werk.

  • Was für ein Tag! Ich trieb durch die Fußgängerzone
    Und war der tausendste Mann, den ein Team blonder Girls
    Für eine Werbeaktion ansprach. Ich war der elfte Kunde
    In der Boutique, der heute ein Hemd (taubenblau) kaufte.
    Das Gespenst im Schaufenster war ich. Die Spiegelung
    Gefiel mir, und ich machte ein Photo meines Schattens.

    Durs Grünbein, Dada.

  • Solche Denkmäler eines nicht mehr seins sind Passagen. Und die Kraft die in ihnen arbeitet, ist die Dialektik. Die Dialektik durchwühlt sie, revolutioniert sie, sie wälzt das oberste zu unterst, macht da sie nichts mehr von dem blieben was als der Name: Passagen, und: Passage du Panorama. Im Innersten dieser Namen arbeitet der Umsturz, darum halten wir eine Welt in den Namen der alten Strassen und nachts einen Strassennamen zu lesen kommt einer Verwunderung gleich.

    Walter Benjamin, Gesammelte Schriften, Band V.2, Das Passagen-Werk.

  • Some of the largest interior cities have been built in cities with particularly extreme climates. Indeed, the 18-km system of skywalks in Minneapolis is so extensive that its various routes are coloured and named like subways line to minimise confusion.

    … a motivation […] were the advantages to real estate developers or the ability to connect large systems of multilevel car parking garages directly to commercial or retail space.

    Stephen Graham, Vertical.

  • Motive für den Untergang der Passagen: verbreiterte Trottoirs, elektrisches Licht, Verbot für Prostitution, Freiluftkult. 

    Walter Benjamin, Gesammelte Schriften, Band V.2, Das Passagen-Werk.

  • Die Stadt war nun ausgeschachtet. Durch Tunnel
    Führte ein besinnungsloser Verkehr.
    Es gab keine Eingeweide mehr, Labyrinthe
    Im Zwielicht, mit Gassen ins Unbewußte,
    Straßen, die in die eigene Blutbahn führten.

    Durs Grünbein, Zündkerzen.

  • Handel und Verkehr sind die beiden Komponenten der Strasse. Nun ist der Passage deren erstes beinah abgestorben, ihr Verkehr ist rudimentär. Sie ist nur geile Strasse des Handels, nur angetan, die Begierde zu wecken. Es ist darum garnicht rätselhaft, dass die Huren sich ganz von selber dahinein gezogen fühlen. Weil nun in dieser Strasse alle Säfte sticken, wuchert die Ware an den Häuserfronten und geht neue und phantastische Verbindungen wie die Gewebe in Geschwüren ein.

    Walter Benjamin, Gesammelte Schriften, Band V.2, Das Passagen-Werk.

  • The residualised street can, in turn, all too easily become ‘no more than a traffic sewer or refuge collection zone’ (Trevor Boddy) –a place inhabited by the marginalised groups excluded by the security guards and cameras that police the corporate, interior zone. (…) the air-conditioned interior skywalk cities will also exaggerate the urban heat-island problems.

    Stephen Graham, Vertical.

  • Impressed by the emerging modernist experiments in Europe, North American master planners in the 1960s also embraced the idea of the multilevel city as a radical means of renewing and decongesting decaying urban cores so they could accommodate mass automobile use and compete with the burgeoning malls in the suburbs.

    Stephen Graham, Vertical.

  • Die Passagen sind ein Zentrum des Handels in Luxuswaren. In ihrer Ausstattung tritt die Kunst in den Dienst des Kaufmanns. Die Zeitgenossen werden nicht müde, sie zu bewundern. Noch lange bleiben sie ein Anziehungspunkt für die Fremden. Ein “Illustrierter Pariser Fuehrer” sagt: ‘Diese Passagen (…) sind (…) Gänge durch ganze Häusermassen, (…) Zu beiden Seiten dieser Gänge, die ihr Licht von oben erhalten, laufen die elegantesten Warenläden hin, so dass eine solche Passage eine Stadt, ja eine Welt im kleinen ist.’

    Walter Benjamin, Gesammelte Schriften, Band V.1, Das Passagen-Werk.

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  • City Center, Skyway Level
  • 40 South 7th Street, Suite 208
  • Minneapolis, MN 55402
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